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FAQ zu den Rechtsgrundlagen der Zulassung zum bekannten Versender

Was ist ein bekannter Versender?

Bekannte Versender (bV) sind behördlich zugelassene Unternehmen, die Luftfracht / Luftpost erstmalig in Sendungsumlauf bringen und deren Betriebsverfahren den Sicherheitsvorschriften entsprechen, die es gestatten, die betreffende Fracht auf dem Luftweg zu befördern.

Der bekannte Versender muss die Luftfracht in seiner zugelassenen Betriebstätte herstellen sowie konfektionieren und verpacken. Er muss diese weiter in der zugelassenen Betriebsstätte identifizieren und an das nächste Glied der sicheren Lieferkette übergeben. Er versendet die Luftfracht auf eigene Rechnung, d.h. er trägt die gesamtunternehmerische Verantwortung für diesen Prozess.

Warum sollte ich die Zulassung zum bekannten Versender beantragen?

Der Status des bekannten Versenders ist ein Gütezeichen dafür, dass die luftfrachtrelevanten Prozesse eines Unternehmens im Hinblick zur sicheren Versendung von Luftfracht / Luftpost unter Einhaltung der dafür gesetzlich geforderten Sicherheitsstandards erfolgt sind.
Im Endeffekt sorgt der Status bekannter Versender dafür, dass der Abfertigungsprozess der Luftfracht / Luftpost vom Versender bis zum Verladen in das Luftfahrzeug deutlich vereinfacht und beschleunigt werden kann.

Muss ich meine Geschäftsprozesse ändern, um den Status bekannter Versender zu erhalten

Eine pauschale Aussage hierzu ist nicht möglich, da dies immer von den prozessualen Gegebenheiten eines Unternehmens abhängig ist. Diese Entscheidungen unterliegen der Einzelfallprüfung durch das Luftfahrt-Bundesamt.

Was ist die sichere Lieferkette - Luftfracht / Luftpost?

Unter der sicheren Lieferkette - Luftfracht / Luftpost sind alle Akteure und Maßnahmen zu verstehen, die mit dem Versand von Luftfracht unter Einhaltung der gesetzlichen Sicherheitsanforderungen (Verordnung (EG) Nr. 300/2008 und deren Durchführungsvorschriften) in Verbindung stehen. Letztlich dürfen Luftfahrtunternehmen ihre Luftfahrzeuge nur mit Fracht beladen, die als "sicher" eingestuft wurde. Diese Einstufung resultiert zum Beispiel durch den Status des bekannten Versenders oder durch eine erfolgreiche Kontrolle (Durchsuchung, Röntgen, etc.) der Luftfracht durch einen reglementierten Beauftragten.

Welche Punkte sind im Rahmen der Kontrolle von unsicheren Sendungen durch das versendende Unternehmen zu bedenken? Was spricht für eine bV-Zulassung?

Durch die Kontrolle von unsicheren Sendungen können sich für das versendende Unternehmen folgende Probleme ergeben:

Kosten:

Für das Kontrollieren von Fracht werden je nach Standort und Nachfrage unterschiedlich hohe Kosten in Rechnung gestellt.

Verfügbare Kontrolltechnik:

Nicht jede Sendung kann uneingeschränkt oder ohne eine Öffnung der Verpackung "sicher" gemacht werden. Ausschlussfaktoren können unter anderem die Größe oder das Gewicht der Fracht beziehungsweise dessen Materialdicke, -dichte oder Strahlungsempfindlichkeit sein. Jedes Unternehmen sollte für sich prüfen, ob überhaupt geeignete Kontrolltechnik für die Fracht verfügbar ist.

Zeit:

Die Kontrollen nehmen Zeit in Anspruch – bei kurzfristigen Lieferungen kann dadurch gegebenenfalls der Flug verpasst werden und/oder es können weitere Kosten entstehen.

Qualität:

Das Aus-, Ein- oder Umpacken der Luftfracht durch eine Luftsicherheitskontrollkraft (LSKK) nach der Kontrolle steht gegebenenfalls den Verpackungsqualitätsvorgaben des Versenders beziehungsweise der Kunden entgegen, weil diese möglicherweise nach der Neuverpackung nicht weiter den Qualitätserfordernissen entspricht.

Muss ich den Status "bekannter Versender" besitzen, um Luftfracht versenden zu können?

Nein. Versender von Luftfracht sind nicht verpflichtet, den Status "bekannter Versender" zu erwerben. Besitzt ein Unternehmen den Status nicht, gilt die Luftfracht als "unsicher". Sie muss vor dem Verladen in ein Luftfahrzeug durch einen hierfür zugelassenen reglementierten Beauftragten (das sind zum Beispiel Versandagenturen, Spediteure, Logistikanbieter, integrierte Lagerdienstleistungsunternehmen, etc.) oder durch das Luftfahrtunternehmen selbst, nach einem dafür zugelassenen Verfahren kontrolliert werden. Diese Kontrollen beanspruchen in der Regel Zeit und verursachen zusätzliche Kosten.

Welche Möglichkeiten bestehen, um Luftfracht / Luftpost im Status "sicher" zu versenden?

Unternehmen, die Waren per Luftfracht / Luftpost im Status "sicher" versenden möchten, haben dafür folgende Möglichkeiten:

Die behördliche Zulassung zum bekannten Versender – Ein bekannter Versender gewährleistet eigenverantwortlich, dass die identifizierbare Luftfrachtsendung/ -post an seinem Betriebsstandort ausreichend vor unbefugtem Zugriff und Manipulationen geschützt wird. Aufgrund dessen könnte der bekannte Versender die Luftfracht an jedes Unternehmen, welches den Status eines "reglementierten Beauftragten" besitzt, "sicher" übergeben, vorbehaltlich, dass der sichere Transport auch gewährleistet wird.

Versand der Ware zunächst im Status "unsicher". Eine "unsichere" Luftfracht- oder Luftpostsendung wird durch einen hierfür zugelassenen "reglementierten Beauftragten“ oder das Luftfahrtunternehmen selbst, in einem hierfür zugelassenen Verfahren kontrolliert und damit "sicher" gemacht. Nachteil dieses Vorgehens ist eine zusätzliche Inanspruchnahme von Zeit sowie finanziellen Ressourcen.

Welche Merkmale machen Luftfracht / Luftpost identifizierbar?

Bei Luftfracht / Luftpost handelt es sich um Gegenstände, die mit einem Flugzeug befördert werden sollen und die nicht Gepäck, Post, Bordvorräte und Material von Luftfahrtunternehmen sind.

Die Luftfracht / Luftpost kann dabei sowohl bei Auftragseingang im Unternehmen, der Produktion als auch erst zu einem späteren Zeitpunkt (Lagerung, Verpackung, Versand) als solche identifizierbar werden. Entsprechend mannigfaltig sind auch die Merkmale, anhand derer die Luftfracht / Luftpost identifiziert werden kann. Maßgebend ist daher der Zeitpunkt, zu dem die Festlegung getroffen wird, dass ein ganz bestimmter Gegenstand mit einem Luftfahrzeug befördert werden soll. Dies kann sich zum Beispiel aus den Begleitdokumenten oder Aufklebern/ Label, etc. ergeben oder aber durch eine entsprechende Transaktion in einem dafür bestimmten (EDV) System. Dementsprechend ist die Luftfracht / Luftpost ab diesem Zeitpunkt als solche identifizierbar.

Wann hat Luftfracht / Luftpost ihren Ursprung in dem Betriebsstandort?

Nur Luftfracht / Luftpost die "ihren Ursprung" in einem zugelassenen Betriebsstandort eines Unternehmens hat, darf überhaupt von einem bekannten Versender im Status "sicher" versendet werden. "Ursprung haben" heißt:

Die Versandware (Luftfracht / Luftpost) wird in einem zugelassenen Betriebsstandort eines bekannten Versenders hergestellt sowie
die Luftfracht / Luftpost wird an einem zugelassenen Betriebsstandort eines bekannten Versenders aus Einzelstücken zusammengestellt ("konfektioniert") und verpackt, wenn die Einzelartikel nicht als Luftfracht / Luftpost identifizierbar sind, bis sie zum Erfüllen einer Bestellung ausgewählt werden.

Luftfracht / Luftpost, die ihren Ursprung nicht an dem Betriebsstandort hat (Luftfracht / Luftpost fremden Ursprungs), darf zwar von einem bekannten Versender versendet werden, muss aber zwingend vor der Verladung in ein Luftfahrzeug von einem reglementierten Beauftragten kontrolliert werden. Diese Luftfracht / Luftpost muss auf den Frachtpapieren von dem bekannten Versender als „unsicher“ gekennzeichnet werden.

Woran erkenne ich einen reglementierten Beauftragten?

Ein reglementierter Beauftragter wird bei der Zulassung durch das Luftfahrt-Bundesamt mit einer entsprechenden Zulassungsnummer (z.B. DE/RA/XXXXX-XX) in der Unionsdatenbank zur Sicherheit der Lieferkette eingetragen. In dieser Datenbank können alle Zugriffsberechtigten der Unionsdatenbank verifizieren, welche Unternehmen als reglementierte Beauftragte zugelassen sind.

Woher wissen reglementierte Beauftragte oder Luftfahrtunternehmen, wer als bekannter Versender zugelassen ist?

Zugelassene reglementierte Beauftragte und bekannte Versender werden in die Unionsdatenbank zur Sicherheit der Lieferkette eingetragen. Gleichzeitig erhält das Unternehmen einen personalisierten Zugang, mit dem überprüft werden kann, ob ein Unternehmen den entsprechenden Status besitzt.

Muss ein bekannter Versender seine Luftfracht / Luftpost immer an einen reglementierten Beauftragten übergeben?

Nein. Grundsätzlich steht es einem bekannten Versender frei, wie er seine Luftfracht / Luftpost versendet. Erfolgt der Versand nicht über einen Transporteur oder reglementierten Beauftragten, gilt seine Luftfracht / Luftpost jedoch als "unsicher" und muss vor dem Verladen in ein Luftfahrzeug kontrolliert werden. Dies kann zu Zeitverlust sowie zusätzlichen Kosten führen. Will ein bekannter Versender seine Luftfracht / Luftpost dagegen im Status "sicher" versenden, muss er diese an einen Transporteur, reglementierten Beauftragten oder ein Luftfahrtunternehmen, welches den Status als reglementierter Beauftragter besitzt, übergeben.

Müssen dem Luftfahrt-Bundesamt Änderungen mit Bezug auf den Zulassungsstatus mitgeteilt werden?

Ja. Sobald ein Unternehmen als bekannter Versender zugelassen ist, muss es dem Luftfahrt-Bundesamt relevante Einzelheiten zeitnah, spätestens jedoch innerhalb von 10 Arbeitstagen mitteilen, falls

- die Gesamtverantwortung für die Sicherheit einer anderen als der in Nummer 1.10 angegebenen Person übertragen wird,

- es sonstige Änderungen in der Betriebsstätte oder bei den Verfahren gibt, die Auswirkungen auf die Sicherheit haben, und

- das Unternehmen die Tätigkeit einstellt, keine Luftfracht/Luftpost mehr abfertigt oder die Anforderungen der einschlägigen Unionsrechtsvorschriften nicht mehr erfüllt.

Was bedeutet der Sicherheitsstatus "Sicher-SHR"?

Luftfracht / Luftpost, die diesen Sicherheitsstatus besitzt, darf mit Passagier-, Nurfracht- und Nurpostluftfahrzeugen gemäß den Auflagen für hohe Risiken befördert werden.

Was bedeutet der Sicherheitsstatus "Sicher-SPX" (secured for passenger aircraft)?

Luftfracht / Luftpost, die diesen Sicherheitsstatus besitzt, darf mit Nurfracht- beziehungsweise Nurpostluftfahrzeugen, sowie mit Passagierluftfahrzeugen transportiert werden. Luftfracht / Luftpost erhält diesen Status nur, wenn sie durch einen reglementierten Beauftragten kontrolliert wurde oder sie durch einen bekannten Versender in Sendungsumlauf gebracht wurde. Sie besitzt diesen Status nur, solange wie sie vor unberechtigten Zugriff und vor Manipulation geschützt ist.

Hinweis: Der Sicherheitsstatus darf ausschließlich durch einen reglementierten Beauftragten vergeben werden.

Was bedeutet der Sicherheitsstatus "Sicher-SCO"?

Luftfracht, die diesen Sicherheitsstatus besitzt, darf ausschließlich nur mit Nurfracht- beziehungsweise Nurpostflugzeugen transportiert werden. Luftfracht erhält diesen Status, wenn sie durch einen geschäftlichen Versender in Sendungsumlauf gebracht wurde. Sie besitzt diesen Status nur solange wie sie vor unberechtigten Zugriff und vor Manipulation geschützt ist. Bei der Abfertigung der Fracht mit diesem Sicherheitsstatus kann es mitunter zu Verzögerungen und Wartezeiten kommen.

Ein "geschäftlicher Versender" versendet Fracht oder Post auf eigene Rechnung. Dessen Verfahren entsprechen gemeinsamen Sicherheitsvorschriften und –standards, die es gestatten, die betreffende Fracht/Post mit Nurfracht- beziehungsweise Nurpost-Luftfahrzeugen zu befördern. Die Beförderung der Fracht/Post im Laderaum eines Passagierflugzeuges ist also nicht möglich, wenn diese von einem "geschäftlichen Versender" kommt.

Erlauben es die Vertriebswege, dass die Luftfrachtsendungen den Empfänger ausschließlich mit "Nurfracht- oder Nurpostluftfahrzeugen" zeitgerecht und unversehrt erreichen können, stellt der Status des "geschäftlichen Versenders" gegebenenfalls eine Alternative zum "bekannten Versender" dar. Für den "geschäftlichen Versender" gelten ähnliche Sicherheitsstandards wie im Falle eines "bekannten Versenders". Es entfällt jedoch das behördliche Zulassungsverfahren. Der "geschäftliche Versender" wird durch einen "reglementierten Beauftragten" benannt, nachdem der geschäftliche Versender eine Verpflichtungserklärung abgegeben und ein Sicherheitsprogramm erstellt hat. Mit der Erklärung verpflichtet sich das Unternehmen, bestimmte Sicherheitsstandards zu erfüllen.

Hinweis: Seit dem 01.04.2016 ist aufgrund der Anwendung einer strengeren Maßnahme nach Artikel 6 Abs. 2 der VO (EG) Nr. 300/2008 für reglementierte Beauftragte in Deutschland die Möglichkeit einen geschäftlichen Versender zu benennen, ausgesetzt.

Es ist daher in der Bundesrepublik Deutschland unzulässig, Sendungen in ein Luftfahrzeug zu verladen, die allein den Sicherheitsstatus "SCO", d.h. sicher ausschließlich für Nurfrachtflugzeuge und Nurpostflugzeuge, haben.

(Die Regelungen der Nummer 6.2.1 (f) des Beschlusses der Kommission K(2010)774 (Transferfracht und Transferpost) bleibt hiervon unberührt.)

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