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Regeln für den VHF Flugfunk im 8,33 kHz Kanalraster

1. Rechtsgrundlagen und Hintergründe

Die Europäische Kommission hat am 16.11.2012 mit der Veröffentlichung der Durchführungsverordnung (EU) 1079/2012 Anforderungen bezüglich des Sprachkanalabstandes für den einheitlichen europäischen Luftraum bekannt gegeben.

Die Verordnung beschreibt eine europaweit einheitliche abgestufte Vorgehensweise zur Einführung eines 8,33 kHz Frequenzrasters für den VHF Flugfunk. Weitergehende Informationen hierüber finden sich u. a. in den Frequently Asked Questions and Answers von Eurocontrol.

2. Fristen gemäß EU Verordnung

Die Fristen für die Aus- und Umrüstung mit bzw. auf VHF Flugfunkgeräte, die im 8,33 kHz Frequenzraster betreibbar sind, lassen sich (ohne Staatsluftfahrzeuge) wie folgt zusammenfassen:

  • Für den Betrieb vorgeschriebene Geräte, die im Rahmen von Änderungen oder Ergänzungen eingebaut werden:

    17.11.2013

  • Alle für den Betrieb vorgeschriebenen Geräte, die in Luftfahrzeuge eingebaut sind, die ab dem 17.11.2013 erstmals eine Verkehrszulassung in der EU erhalten:

    17.11.2013 

  • Alle für den Betrieb vorgeschriebenen Geräte, die in Luftfahrzeuge eingebaut sind, die in der EU zum Verkehr zugelassen sind:

    31.12.2017 

Ab den unten genannten Zeitpunkten darf Flugbetrieb in den betreffenden Lufträumen nur durchgeführt werden, wenn alle für den Betrieb vorgeschriebenen VHF Flugfunkgeräte Geräte im 8,33 kHz Frequenzraster betreibbar sind: 

  • Alle Flüge oberhalb FL 195:

    17.11.2012 

  • IFR Flüge, in den Lufträumen der Klassen A, B, oder C:
    (Die Luftraumklassen A und B werden in Deutschland derzeit nicht verwendet.)

    01.01.2014 

  • VFR Flüge, in Luftraumsektoren in denen Frequenzen verwendet werden, die im 8,33 kHz Frequenzraster zugeteilt wurden (siehe z. B. AIP, AIC, NfL I):

    01.01.2014 

  • Alle Flüge, in Lufträumen in denen das Mitführen eines VHF Flugfunkgerätes vorgeschrieben ist:

    01.01.2018 

3. Ausnahmen und Altgeräte 

Gemäß Artikel 2 (5) der oben genannten Verordnung müssen Funkgeräte, die ausschließlich auf zugeteilten Frequenzen im 25 kHz Raster betrieben werden, nicht zusätzlich im 8,33 kHz Frequenzraster zu betreiben sein. 

Daraus folgt u. a., dass (Alt-)Geräte, die zusätzlich zur Pflichtausrüstung im Cockpit verbleiben, nicht unbedingt im 8,33 kHz Frequenzraster zu betreiben sein müssen. Sie dürfen dann nur noch für Frequenzen verwendet werden, die ausdrücklich im 25 kHz Frequenzraster zugeteilt worden sind (z. B. die internationale Notfrequenz). Dabei sind unbedingt die Kanalbezeichnungen zu beachten. Ein derartiges Zusatzgerät (nur 25 kHz Frequenzraster) kann somit nicht für die Flugfunkkanäle 118.005‘, 118.030‘, 118.055‘, etc. verwendet werden. 

4. Regelungen für den deutschen Luftraum 

Ergänzend zur oben genannten EU Durchführungsverordnung sind nationale luftraumbezogene Anforderungen an die Flugsicherungsausrüstung der Luftfahrzeuge zu beachten (siehe z. B. Verordnung über die Flugsicherungsausrüstung der Luftfahrzeuge, FSAV). Die Zuständigkeit für alle den Verkehr im deutschen Luftraum betreffenden Regelungen liegt beim Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF). In einer Pressemitteilung vom 11.10.2016 informiert das BAF über die Umstellung des Flugfunks und veröffentlicht mit einem Flyer Informationen für die allgemeine Luftfahrt. Fragen hinsichtlich dieser Regelungen richten Sie bitte direkt an das BAF. Zur Klärung der oft gestellten Frage nach der Mindestanzahl der erforderlichen Funkgeräte hat das BAF eine eigene Veröffentlichung herausgegeben.

Informationen der DFS hinsichtlich der Einführung des 8,33 kHz Frequenzrasters wurden im AIC IFR 07 vom 21. August 2014 veröffentlicht.

5. Musterzulassung 

Es ist davon auszugehen, dass bei vielen Luftfahrzeugen der Austausch bereits installierter Funkgeräte erforderlich ist. Erfolgt dieser Austausch durch Systeme, welche im 8,33 kHz Frequenzraster betrieben werden können, ansonsten jedoch äquivalent zu den vorhandenen sind, ist in der Regel eine Musterzulassung als „Geringfügige Änderung“ bzw.Minor Change“ möglich. 

Inzwischen hat die EASA hierzu CS-ACNS herausgegeben. Regelungen bezüglich VHF Flugfunk befinden sich im Book 1, Subpart B, Section 1, Anleitungen und Interpretationen im Book 2, Subpart B, Section 1.

Eine in vielen Fällen anwendbare Erleichterung für die Musterzulassung ergibt sich durch die von der EASA herausgegebene Spezifikation CS-STAN, hier CS-SC001a/4a.

Fragen zur europäischen Musterzulassung richten Sie bitte direkt an die EASA

6. Frequenz-Management 

Es wird darauf hingewiesen, dass eine Änderung der Luftfunkstelle zu einer Änderung der Frequenzzuteilung führt. Zuständig hierfür ist die Bundesnetzagentur (BNetzA). Details zum Verfahren finden sich auf der Website der BNetzA.

Für Fragen zur Frequenzzuteilung wenden Sie sich bitte an die Außenstelle der BNetzA in Eschborn (Tel.: 06196/965-0). 

7. Verkehrszulassung 

Wenn vorher bereits eine Verkehrszulassung für das Luftfahrzeug bestand, ist eine Vorlage der geänderten Frequenzzuteilung beim LBA (Referat T4) nicht erforderlich. 

8. Instandhaltung 

Bei Änderung der Funkausrüstung des Luftfahrzeuges muss ggf. das bestehende Instandhaltungsprogramm angepasst werden, siehe Teil-M, Appendix I zum AMC M.A.302, Abschnitt 1.1.10

9. Prüfdokumente

Für das Ankreuzen der Betriebsoptionen (z. B. VFR, IFR, etc.) in einem Prüfprotokoll zur elektronischen Ausrüstung bzw. in einem Prüfschein (nur Luftfahrzeuge gemäß Verordnung (EU) 216/2008, Art. 1 (2) oder Art. 4 (4), Annex II), dessen Gültigkeit vor dem 31.12.2017 endet, sollte folgendermaßen vorgegangen werden:

Sofern die Ausrüstung intakt ist und die Anzahl der Geräte (ohne Rücksicht auf das VHF Frequenzraster) den geltenden Luftraum- und Betriebsvorschriften entspricht, können weiterhin die Optionen angekreuzt werden, die vor dem 31.12.2013 angekreuzt worden wären.

Ist im Luftfahrzeug kein VHF Flugfunkgerät installiert, welches das 8,33 kHz Frequenzraster unterstützt oder im IFR Fall nur eines, sollte zur Klarstellung folgende Bemerkung eingetragen werden:

Achtung:
Luftraumbeschränkungen bezüglich VHF Flugfunk im 8,33 kHz Frequenzraster beachten!

Begründung: Bis zum 31.12.2017 gilt die Ausrüstungspflicht bezüglich VHF Flugfunk im 8,33 kHz Frequenzraster nur für bestimmte Betriebsarten in bestimmten Lufträumen bzw. Luftraumsektoren (siehe 2., letzte drei Aufzählpunkte). Der Luftfahrzeug-Führer/Betreiber ist selbst dafür verantwortlich, die Luftraumvorschriften einzuhalten. Trotzdem gilt: Die Aus- und Umrüstungsvorgaben der Durchführungsverordnung (EU) 1079/2012 (siehe 2., erste drei Aufzählpunkte) bleiben hiervon unberührt.

Stand: 15.11.2016

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